drucken | schließen

governet.blog

Matthias Kirschner schrieb am Mittwoch 5. September 2007 zum Thema Nachlesen:

Der Staat am Draht -- Ausschnitte

Hier mal was für diejenigen von Euch, die sich stärker für das Thema E-Government interessieren. Ich bin heute dazu gekommen, das Buch von Klaus Lenk "Der Staat am Draht" zu lesen. Dabei fand ich ein paar Passagen recht interessant und will euch diese nicht vorenthalten. Zunächst einmal ein Teil des Klappentext:



[...] Die Chancen der Informationstechnik im Hinblick auf den anstehenden Umbau des Staates aufzuzeigen ist Ziel dieses Bandes. Er setzt sich mithin ab von einem engen Verständnis von E-Government, das am Internet und den heute noch gängigen Formen der "Online"-Kommunikation ausgerichtet ist. IN einem systematischen Überblick beleuchtet der Autor sowohl das Potential der Informationstechnik als auch die Art und Weise, wie Verwaltungsarbeit getan wird. Er verknüpft in dieser Einführung die Veränderungen der Staatsmodernisierung, die unter den Etiketten "Neues Öffentliches Management" [englisch: New Public Management] und "Public Governance" schon an Fahrt gewonnen haben, mit den Gestaltungschancen der allmählichen Informatisierung von Staat und Verwaltung.



Zunächste einmal fand ich Kapitel 3.1 "Ein halbes Jahrhundert der Informatisierung: Blick auf die Vorgeschichte" (S. 26-29) sehr interessant. Hier stellt der Autor auf vier Seiten einen kleinen Überblick über die Geschichte der Informatisierung der öffentlichen Verwaltung dar. Von der Stappelverwaltung bis zur Informationsbereitstellung über das Internet.



In diesem Teil habe ich auch erfahren, dass "[d]as erste Datenschutzgesetz der Welt [...] im Jahre 1970 im deutschen Bundesland Hessen erlassen [wurde]." Vielleicht hilft die von Annette bereits erwähnten Demonstration Freiheit statt Angst [http://www.freiheit-statt-angst.de] am 22. September in Berlin, dieses Thema wieder stärker ins Bewußtsein zu rücken.



Des Weiteren fand ich diesen Abschnitt interessant: "Prozessstrukturen werden heute von Informatikern bzw. von der Standardssoftware, die sie nicht mehr durchschauen, diktiert. Das entspricht vielfach tiefverwurzelten Kontrollsehnsüchten der Organisationsherren und -manager. Wer partizipativ vorgeht, also die künftigen Tandemlenker [Zuvor wurde das Gleichnis vom Computer - Mensch als Tandem, bei dem der Mensch tritt und lenkt und der Computer nur tritt beschrieben wurden.] fragt, hat es es viel schwerer, Aufträge zu erhalten, als der, der dem Management suggeriert, seine Kontrolle könne nur noch perfektioniert werden." (S. 41f.)



Ein anderer Aspekt z.B., den ich vorher nicht so betrachet hatte: "Anwender" sind in der öffentlichen Verwaltung mit einem gewissen Außendruck konfrontiert; "sollte es sich erweisen, dass auf ihre Probleme die Technik nicht passt, während diese doch in der Privatwirtschaft unbestreitbare Erfolge erringt, dann kann das in den Augen der Kritiker nur bedeuten, dass die öffentliche Organisation weniger fähig ist, die Technik adäquat einzusetzen." (S. 47)



Und noch ein Abschnitt, den ich in Zukunft wohl etwas stärker im Hinterkopf haben werde: "Kleine Länder wie Estland werden als Vorbild für E-Government in Deutschland vorgeführt. Die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, in komplexeren politischen Systemen und gewachsenen Verwaltungsumgebungen Innovationen durchzusetzen, werden hingegen nicht zum Thema, und es wird nicht gesagt, wie ihnen zu begegnen sei. Die Ausrichtung aller Akteure an den Preisträgern ist die Folge, und entsprechend verarmt die Innovationslandschaft. Eigene Wege zu gehen, die nicht annerkannt sind, wird immer riskanter. Aber oftmals sid es nur solche Eigenwege, welche in einer gewachsenen Verwaltungskultur zum dauerhaften Erfolg führen." (S. 48)



Fragen und Anregungen hierzu gerne an mich schicken.



Lenk, Klaus: Der Staat am Draht. Electronic Government und die Zukunft der öffentlichen Verwaltung - eine Einführung. , Ed. Sigma, Eds: Alcatel SEL Stiftung für Kommunikationsforschung, 2004

URL des Textes: http://www.governet.de/6/viewentry/1794